Amokfahrt:
 Protokoll des Versagens

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Gewalttäter Alen R. war amtsbekannt. Doch niemand fühlte sich wirklich verantwortlich.

Die Tragödie der Amokfahrt von Graz mit drei Toten und 36 Verletzten wird immer mehr auch ein Beleg für das Versagen der Behörden. Die Polizei wusste um die Gefährlichkeit von Todesfahrer Alen R. (26), die Jugendwohlfahrt war angeblich eingeschaltet. Doch der bewaffnete und unberechenbare Familienvater, der seine Frau über Jahre tyrannisiert hatte, blieb völlig unbehelligt. Bis zur wahnsinnigen Amokfahrt – warum?

Weil die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen ganz offenbar nicht funktioniert hat. Beleg: Die Polizei sagt, sie habe die Jugendwohlfahrt informiert, nachdem Alen R. wegen häuslicher Gewalt am 28. Mai von der Familie weggewiesen wurde. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft dementiert dies: Bei uns im Haus lag keine Anzeige vor.

Allerdings war das Jugendamt bereits ein Jahr zuvor mit der Familie des Amokfahrers betraut. Alen R. hatte mit seinem halbautomatischen Gewehr im Garten herumgeschossen. Unternommen hat die Jugendwohlfahrt nichts. Begründung: „Die Kinder waren nicht anwesend und somit nicht in Gefahr. Immerhin: Die Polizei hat damals die Waffe plus 900 Schuss Munition beim späteren Amokfahrer sichergestellt.

„Es gab einige Punkte, wo man früher hätte einhaken können“, kritisiert denn auch Michaela Gosch, die Chefin des Frauenhaus-Vereins. Hier lebt jetzt die Frau von Alen R.

»Kein politisches oder religiöses Motiv meines Mandanten«

„Die Eltern meines Mandanten sind entsetzt, sie weisen alle Vorwürfe zurück“. So fasst Liane Hirschbrich ein Gespräch mit seinen Eltern zusammen. Auch gegen die beiden ermittelt die Staatsanwaltschaft nach den Anschuldigungen der Ehefrau in einem TV-Interview. Ihr Mandat Alen R. sei in einer besonders ge­sicherten Zelle untergebracht. Hirschbrich: „Er hat mich gebeten, das, was er mir gesagt hat, noch nicht öffentlich zu diskutieren. Mir ist bewusst, dass die Menschen nach Erklärungen verlangen, aber es war weder ein politisches noch religiöses Motiv.“ Bestellt wurde ein Gerichtspsychiater, er soll ein erstes Gutachten in zehn Tagen erstatten. „Das will ich abwarten.“

VIDEO: Ehefrau des Amokfahrers gibt ein TV-Interview

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erstellt am 01. Juli 2015, 23:41

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