Aufreger-Urteil für Eltern, die Tochter sterben ließen

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Religiöse Fanatiker legten das Schicksal ihrer schwer kranken Tochter „in Gottes Hände“. Nun wurden sie zu fünf Jahren Haft (nicht rechtskräftig) verurteilt. Dies sorgt für Aufregung.

Rahel wog nur 30 Kilo (bei 1,60 m), als sie am 17. September 2019 ins Koma fiel und starb. Sie hatte erst kurz davor ihren 13. Geburtstag gefeiert, litt aber schon an einer chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankung, die später zu Diabetes führte. Ihre Eltern waren an ihrem Todestag bei ihr und hätten sie retten können. Sie riefen aber weder Ambulanz noch Notarzt.

Am Mittwoch verantworteten sie sich wegen Mordes vor einem Geschworenengericht. Die Laienrichter folgten der Sichtweise von Verteidiger Rudolf Mayer („Eltern waren im festen Vertrauen, dass Gott eingreifen wird“) und stuften den angeklagten „Mord“ auf „Vernachlässigung Unmündiger“ herab. Das skandalöse Urteil: 5 Jahre Haft (nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat drei Tage Bedenkzeit erbeten).

Hintergrund

Ein Freund der Familie zeigte am 7. Juni 2017 die ­arbeitslosen Deutsch-Usbeken, die der „Gemeinde Gottes“ angehören, beim Jugendamt Krems an: „Nachts schreit das Kind vor Schmerzen. Die ­Eltern wollen jedoch keine ärztliche Hilfe holen, weil sie glauben, dass Gott das Kind heilen muss, oder auch nicht, dann ist es eben Gottes Wille.“

Tags drauf wurde das Jugendamt Krems aktiv. Eine Sozialarbeiterin erreichte zwar, dass Rahel noch am selben Tag ins Krankenhaus nach Zwettl kam, doch die Eltern beendeten entgegen ärztlichem Drängen den stationären Aufenthalt. Nach nur einer Woche nahmen sie Rahel mit heim und überließen sie ihrem Schicksal.

7 Kinder – keines war nur einen Tag in Kindergarten oder Schule

Das Jugendamt Krems kannte die gefährliche Einstellung der Eltern und vermittelte Rahel zwar ans Krankenhaus, legte den Fall danach aber offenbar ad acta. Zwei Jahre lang fragte keine Be­hörde nach, wie es Rahel geht. Die Eltern und ihre sieben Kinder wohnten in der Gemeinde Wolfshoferamt und lebten von Kinderbei­hilfe und Zuwendungen aus der Gemeinde. Trotz des Kontakts mit anderen Ortsbewohnern fiel offenbar niemandem auf, dass Rahel massiv an Gewicht verlor. Bürgermeisterin Eva Schachinger (ÖVP) wollte den Fall gegenüber ÖSTERREICH nicht kommentieren, nur: „In Österreich gibt es die Möglichkeit des Hausunterrichts. Das nahm die Familie in Anspruch.“

(lae)

erstellt am 13. Februar 2020, 01:34

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