Erste Spur: So lief der Schließfach-Coup

Erste Spur: So lief der Schließfach-Coup in Niederösterreichs Banken Klosterneuburg Mödling
©

Nach dem großen Coup gegen drei Banken sind viele nervös – und es gibt eine heiße Spur.

Die gute Nachricht vorweg: Es dürften keine weiteren Banken beim besagten Schließfach-Coup ausgeräumt worden sein. Dutzende, die ihre Vermögenswerte in SB-Safes gelagert haben, sahen in den vergangenen Tagen nach, ob eh noch alles da ist. So auch Verleger-Legende Christian Mucha, dem bei der Nachschau fast das Herz stehen blieb: „Eine Box ging nicht auf. Zum Glück war noch alles drin, der Inhalt hatte sich verklemmt. Ein Security konnte die Box mit einem Akku-Schrauber in 45 Sekunden öffnen.“ Eindringlinge hätte damit wohl ähnlich leichtes Spiel.

Um so weit zu kommen, hätten die Kriminellen bei Muchas Institut allerdings das mehrstufige Sicherheitssystem samt hochkomplexer Chipkarte überwinden müssen. Bei den heimgesuchten Banken in Mödling, Klosterneuburg und Wien-Döbling dagegen sollen es nur Magnetstreifenkarten gewesen sein, die man leichter knacken kann – etwa mit Attrappen, die man über den Originalschlitzen beim Türöffner anbringt. Danach werden die gestohlenen Daten auf Rohlinge überspielt. Dann brauchte die Bande – das erfuhr Mucha von einem IT-Insider – nur noch eine kleine Videokamera anbringen, um den PIN auszuspionieren.

Täter müssen Depots in den Banken gehabt haben

Um die Mini-Kamera zu installieren, müssen die Täter aber zumindest einmal ohne kopierte Karte in den Raum mit den SB-Schließfächern vordringen, was bedeutet, dass sie selbst bzw. ein Komplize ein Depot dort angelegt haben müssen! Die Kripo hat diese heiße Spur zum Schließfach-Coup bestimmt schon herausgefunden …

Die Banken indes rüsten bei der Sicherheit auf: Der Zugriff zu Boxen ist bei den beraubten Filialen jetzt nur noch mit Fingerprints möglich; die Verantwortlichen überlegen überdies, wie und ob es (rechtlich) möglich ist, die Kunden trotz Corona zu verpflichten, beim Zutritt zu den Saferäumen kurz den Mund-Nasen-Schutz abzunehmen, um für den Fall der (Über-)Fälle wenigstens ordentliche Fahndungsfotos zu haben.

Roland Kopt

erstellt am 24. November 2020, 01:16

Postings 0 Kommentare ausblenden

Posten Sie Ihre Meinung

Mehr zum Thema