Wiener Symphoniker denken an Familien

Wiener Symphoniker
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Neuer Chefdirigent Philippe Jordan setzt auf Wiener Klassik.

Mit der Besinnung auf die Wiener Klassik und verstärkter Aufmerksamkeit für zeitgenössische Musik starten die Wiener Symphoniker 2014/15 in ihre erste Saison unter Chefdirigent Philippe Jordan. Der 39-jährige Zürcher will das Orchester nicht nur "neu positionieren", sondern auch rundherum eine "neue künstlerische Familie schaffen", wie er bei der Saison-Pressekonferenz am Freitag betonte.

Neue Ära steht bevor
lacht auch vom brandneuen Programmheft: Die neue Saison steht ganz im Zeichen des feschen Jungmaestros Jordan, der 28 Konzerte der insgesamt 154 Auftritte ab Herbst 2014 dirigieren wird. Neben langjährigen Partnern wie Georges Pretre, Herbert Blomstedt, Paavo Järvi oder Adam Fischer holt Jordan mit u.a. David Afkham, Gianandrea Noseda, Vasily Petrenko oder Jonathan Nott neue Gesichter ans Symphoniker-Pult. Ziel sei es, neben neuen programmatischen Linien auch neue künstlerische Partner ins Boot zu holen und so eine "ganz neue Familie zu schaffen".

Brüder-Duo erobert Wien
Mit den Solisten-Brüdern Renaud (Violine) und Gautier Capucon (Violoncello) stoßen auch erstmals zwei Artists in Residence dazu, die Jordan an zwei Abenden im Rahmen des Kammerkonzerte-Zyklus in ungewohnter Rolle als Pianist begleitet. Am Klavier sitzen im Laufe der Saison auch Piotr Anderszewski und Rudolf Buchbinder; weitere namhafte Solisten 2014/15 sind etwa Julia Fischer, Sol Gabetta oder Multi-Percussionist Martin Grubinger.

Fokus auf Wiener Klassik
Das im APA-Interview angekündigte "neue Profil" für das Orchester vollzieht Jordan mit einer Neuausrichtung der Schwerpunkte. "Es ist wichtig, sich neben den üblichen Qualitäten des Orchesters mehr auf die Wiener Klassik zu besinnen", so Jordan, der sich als "Herzensanliegen" die Gesamtaufführung der Symphonien von Franz Schubert vorgenommen hat. Die Symphonien des "wienerischsten aller Komponisten" werden in acht Programmen im Musikverein und Konzerthaus unter dem Dirigat des Chefs persönlich mit Werken anderer Epochen kombiniert, zu Jordans offiziellem Antrittskonzert im Oktober etwa mit der "Glagolitischen Messe" von Leos Janacek.

Viel Neues am Plan
Dass die Wiener Symphoniker "in den vergangenen Jahren nicht das Orchester waren, das man primär mit zeitgenössischer Musik in Verbindung gebracht hat", so Neubert, wolle man ändern. Ein neues Violinkonzert von Wolfgang Rihms erfährt ebenso seine Uraufführung wie Miguel Kertsmans Komposition "New York of 50 Doors". Und John Adams reist eigens an, um mit der Erstaufführung seiner für Streichquartett und Orchester ausgelegten Komposition "Absolute Jest" erstmals ein österreichisches Orchester zu leiten. Die "Geschichten aus dem Wiener Wald" von HK Gruber kommen erstmals bei den Bregenzer Festspielen 2014 und im März 2015 auch im Theater an der Wien zu Gehör.

Traditionelle Wiener Klangkultur  
Über mehrere Saisonen will man sich getreu der "traditionellen Wiener Klangkultur", aber mit "zeitgemäßen, innovativen Spielweisen", auch den Oratorien von Johann Sebastian Bach widmen. Nach dem OsterKlang-Auftakt mit der Johannes-Passion unter Giovanni Antonini schon diese Saison eröffnen die Wiener Symphoniker unter ihrem neuen Chefdirigenten das Festival 2015 mit der Matthäuspassion mit Werner Güra als Evangelisten. Für Jordan eine Herausforderung, der er sich auf Nachfrage mit "einem theatralischen Ansatz" nähern will.

Zusammenarbeit mit OsterKlang und Konzerthaus  
Das Projekt über mehrere Spielzeiten sei zugleich "schöner roter Faden für die Zusammenarbeit mit dem OsterKlang und dem Konzerthaus", mit dem ab Herbst 2014 unter dem neuen Direktor Matthias Naske enger kooperiert wird. Bisherige Eigenveranstaltungen im Haus werden zusammengeführt, mit den neuen Freitagabend-Konzerten "Friday@7" wird mit dem Konzertformat an sich experimentiert: Auf ein gestrafftes Konzert ohne Pause folgt mit Dirigent, Solisten und Orchestermitgliedern ein "musikalischer Ausklang" im Garderobenfoyer.

Gastspiele außerhalb Wiens
Raus aus dem Foyer und aus der Stadt geht es ab Ende November 2014 mit Gastspielen, die das Orchester u.a. nach Köln, Paris und Mailand und im April 2015 zum 200-Jahr-Jubiläum des steirischen Musikvereins mit einer Schubertiade nach Graz führen. Die "Sonderkonzerte" stehen traditionell unter der Fahne des Nationalfeiertags (unter dem tschechischen Jungstar Jakub Hrusa), Ostern (unter Jordan), Pfingsten (unter Jaap van Zweden) und Weihnachten (unter Petrenko). Ob der passionierte Operndirigent Jordan dazu kommt, mit den Symphonikern auch Oper zu machen, ist weiter unklar. Die Terminfindung mit dem Theater an der Wien gestalte sich neben Jordans Verpflichtung als künstlerischer Leiter der Pariser Oper schwierig - "aber ich hoffe, dass wir das in den nächsten fünf Jahren schaffen".

 
 

erstellt am 04. April 2014, 17:31

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