Wagners "Lohengrin" vor Premiere

Kammermusik der Wiener Philharmoniker in der Staatsoper
© JAGO

Zürcher Intendant Andreas Homoki inszeniert Wagner-Oper in Wien.

An der Staatsoper hat am 12. April "Lohengrin" Premiere. Nachdem Bertrand de Billy das Dirigat nach Konflikten zurücklegte, übernimmt Mikko Franck. Oper sei eine Kunstform, die wie keine andere "auf der Fähigkeit aller Beteiligten zum Kompromiss beruht. Da geht es gar nicht, dass ein Einzelner versucht, sein Ding ohne Rücksicht auf alle anderen durchzuziehen", kritisiert Regisseur Andreas Homoki.

Homoki über de Billys Rückzug
"Bertrand wollte unbedingt eine normalerweise gestrichene Passage im Dritten Aufzug aufmachen, die meiner Ansicht nach sowohl dramaturgisch als auch musikalisch wenig Sinn macht und die daher aus gutem Grund auch hier in Wien traditionell - mit Ausnahme der Premierenserie 2005 - schon immer gestrichen war", so Homoki, Intendant der koproduzierenden Zürcher Oper, gegenüber der APA. "Dennoch habe ich auf Bitte von Dominique Meyer einem Kompromissvorschlag zugestimmt, welcher der aktuellen Bayreuther Fassung entspricht. Aber auch das wollte de Billy nicht." Gerade in solchen Fällen sei es wichtig, "dass es jemanden gibt, der das große Ganze im Blick hat und notfalls eben auch das letzte Wort - und der letztendlich die Verantwortung für alles trägt, wie hier in Wien der Direktor. Leider ist dies nicht überall so. Problematisch wird es immer dann, wenn Macht und Verantwortung getrennt werden, wenn also beispielsweise ein Intendant per Vertrag zu bestimmten Entscheidungen gezwungen werden kann von Leuten, die nicht die letzte Verantwortung tragen müssen."

Nachfolgekrimi
Als Negativbeispiel für derlei Kompetenzstreitigkeiten sieht der Nachfolger von Alexander Pereira in Zürich die Auseinandersetzung zwischen Generalmusikdirektor Christian Thielemann und dem designierten Semperoper-Intendanten Serge Dorny in Dresden: "Der Intendant musste gehen und man darf gespannt sein, wer unter diesen Umständen noch bereit ist, seine Nachfolge anzutreten. Wer die Budgetverantwortung hat, muss auch das letzte Wort behalten."

Zürcher Intendant zur Causa Burgtheater
Auch am Burgtheater ging es zuletzt vor allem um Budgetverantwortung. "Soweit ich das beurteilen kann, ging es beim Burgtheater zunächst um ein Defizit von mehreren Millionen. Das ist zwar keine erfreuliche Sache, hätte aber sicher gelöst werden können. Zuletzt ging es aber wohl mehr um die Frage, ob die Politik es den bislang Verantwortlichen noch zutraut, eine ausreichende Budgetdisziplin zu entwickeln, um dieses Defizit in den nächsten Jahren tatsächlich abzubauen. Offenbar war dieses notwendige Vertrauen irgendwann nicht mehr gegeben und es gab personelle Konsequenzen", meint Homoki, der in der Entscheidung von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann abzuberufen, ein Statement dafür sieht, "dass Kunst wichtig ist, aber auch bezahlbar bleiben muss".

Zurück zu "Lohengrin"
Bei Richard Wagners "Lohengrin" habe sich "in der Rezeptionsgeschichte des Werkes leider ganz unglaublich viel Kitsch daran angedockt, der mit dem Inhalt der Oper gar nichts zu tun hat. Das macht es mir unmöglich, auf überlieferte 'Lohengrin'-Bildwelten zurückzugreifen, weil die eben durch den auf sie bezogenen Kitsch mittlerweile diskreditiert sind. Ich muss als Regisseur immer versuchen, auf den Kern des Werkes zu zielen und darf mich nie auf scheinbar Bewährtes zurückziehen", so Homoki. Den Kern bei "Lohengrin" sieht Homoki nicht nur in "Elsas Wunsch, ihrem Ritter unbedingt zu vertrauen", der "in seiner Schlichtheit doch absolut entwaffnend" sei: "Darüber hinaus geht es in dem Stück vor allem auch um zeitlose politische Fragen. Es geht um den Konflikt zwischen dem kleinen rückständigen Brabant und dem großen Reich, das bei Wagner für den Fortschritt und die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei steht. Das ist ein nach wie vor aktuelles Thema, denken Sie nur an die Probleme im europäischen Einigungsprozess."

Im dörflichen Milieu
Um diese Thematik möglichst greifbar auf die Bühne zu bringen, siedle er die Geschichte in einem dörflichen Milieu an: "Denn im Dorf werden letztlich Dinge viel direkter und emotionaler verhandelt als anderswo! Und auf dem Land glauben die Menschen möglicherweise auch noch an Wunder wie das von dem Gralsritter, der bei uns buchstäblich vom Himmel fällt, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Vielleicht kommt er aus der Zukunft oder von einem fremden Planeten? Wir werden diese Frage sicher nicht beantworten, aber klar ist, Lohengrin ist ein Wesen aus einer wie auch immer gearteten göttlichen Sphäre, der unbedingt Mensch werden möchte und um keinen Preis zum Gral zurück will."

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

Info
"Lohengrin" von Richard Wagner, Regie: Andreas Homoki, Dirigent: Mikko Franck, Ausstattung: Wolfgang Gussmann, Mit Günther Groissböck - Heinrich der Vogler, Klaus Florian Vogt - Lohengrin, Camilla Nylund - Elsa von Brabant, Wolfgang Koch - Friedrich von Telramund, Michaela Martens - Ortrud, Detlef Roth - Heerrufer, Wiener Staatsoper, Koproduktion mit dem Opernhaus Zürich, Premiere: 12. April, 17.30 Uhr, Weitere Aufführungen: 16., 20., 25., 28. April, Karten: 01 / 513 1 513, www.staatsoper.at

 
 

erstellt am 03. April 2014, 11:38

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