"Riesenrespekt vor Mozart"

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Das Theater an der Wien lockt mit einem Opern-Highlight. Das Interview.

Oper. Die Höhepunkte des Opernjahres finden ab 6. März im Theater an der Wien statt: Originalklang-Guru Nikolaus Harnoncourt musiziert mit seinem Concentus Musicus die Mozart-Da-Ponte-Opern Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte. Bei Sony ist seine geniale Mozart-Einspielung der Posthorn-Serenade und der Haffner-Symphonie erschienen.

ÖSTERREICH: Warum musizieren Sie erst jetzt die Mozart-Da-Ponte-Opern mit dem Concentus?
Nikolaus Harnoncourt: Ich habe einen Riesenrespekt vor Mozarts Spätwerk. Diese Opern sind vollkommen, sie sind der Gipfel der Musikdramatik, ich bewundere sie unendlich. Außerdem ist es schwierig, Mozart auf Originalinstrumenten zu spielen, es verlangt auch ein anderes Hören. Mozart hat instrumentenspezifisch geschrieben, eine G-Klarinette klingt anders als eine B-Klarinette.

ÖSTERREICH: Die drei Opern en suite aufzuführen ...
Harnoncourt: … interessiert mich sehr, weil man da Entwicklungen verfolgen kann. Wir machen das in der richtigen Reihenfolge mit Così fan tutte, dem Schlussakkord der Dialogopern, als Kulminationspunkt. Und wir machen es mit den richtigen Stimmgattungen, wie Mozart das wollte: Der Figaro wird auch den Leporello und den Guillelmo singen. Die Mozart-Besetzungen der letzten 50 Jahre wo der Guillelmo immer höher besetzt ist als der Don Alfonso und die Donna Anna hochdramatisch sind ja sowas von falsch!

ÖSTERREICH: In welcher Beziehung stehen die Opern zueinander?
Harnoncourt: Erotisch sind alle Mozart-Opern. „Figaro“ ist ein Frauenstück, die Männer sind lächerlich. Der pubertierende Lausbub Cherubino, der allen Frauen den Kopf verdreht, wird zum unmoralischen Playboy Don Giovanni, noch später zum Zyniker Don Alfonso. Così fan tutte ist ein Männerstück, die Männer sind ohne Moral, die Frauen werden grausam vorgeführt. Im Don Giovanni ist der Don, der nicht einmal eine Arie hat, die Achse des Stückes. Die Champagnerarie wird nur vom Orchester gespielt, der Sänger hat keine eigenen Töne. Und das Tempo ist so schnell, dass er nur durchhecheln kann. 

E. Hirschmann-Altzinger

erstellt am 25. Februar 2014, 11:14

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