EU-Wahl: Die Karten sind neu gemischt

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© Photothek via Getty Images

Nach dem Aus für Mölzer, Haider und Martin ist knapp eine Mio. Wähler „frei“ …

„Jetzt sind die Karten neu gemischt“, sagt Politikberater Thomas Hofer zu ÖSTERREICH. Nach dem nicht ganz freiwilligen Rückzug von Andreas Mölzer als blauer EU-Spitzenkandidat startet nun ein erbitterter Dreikampf um Platz eins bei der EU-Wahl am 25. Mai. Die FPÖ präsentierte gestern mit Partei-General Harald Vilimsky den neuen Spitzenkandidaten. Die politische Landschaft bebt jedenfalls – und es sind fast eine Million Wähler frei am Markt.

Ohne HPM und Haider 20 Prozent am Wählermarkt
Immerhin haben auch Hans-Peter Martin und Ulrike Quercia-Haider nun auf eine Kandidatur verzichtet. Laut aktuellen Umfragen ist die ÖVP mit Spitzenkandidat Othmar Karas sechs Wochen vor der Wahl von Platz eins auf Platz zwei gerutscht. Die SPÖ führt derzeit mit Eugen Freund leicht. Die FPÖ käme auf unter 20 Prozent. Nun könnte sich einiges wieder verschieben:

  • Der Anti-EU-Populist Hans-Peter Martin hatte bei der EU-Wahl 2009 noch sensationelle 17,7 Prozent erreicht. Die Blauen wollen nun seinen Wählern ein Angebot machen.
  • Nach dem Aus des Rechtsrechten Mölzer als FPÖ-Spitzenkandidat wären aus diesem EU-kritischen Lager wieder viel mehr HPM-Wähler für die FPÖ ansprechbar.
  • Allerdings könnten Mölzers Anhänger und das deutschnationale Lager in der FPÖ nun demobilisiert werden.
  • SPÖ und ÖVP ist mit Mölzer ein „ideales Feindbild“ abhandengekommen. Sie dürften allerdings auch durch die Nicht-Kandidatur von Martin profitieren.

SPÖ mit Hausbesuchen, ÖVP mit Pro-Europa-Kurs
SPÖ und ÖVP haben ihre jeweilige Wahlkampflinie jedenfalls bereits festgelegt:

  • Die Roten schicken Ex-ORF-Moderator Eugen Freund auf Hausbesuche. Er soll durchs ganze Land tingeln und einen durchaus EU-kritischen Wahlkampf führen. SPÖ-Strategen hoffen darauf, dass Freund vor allem die für die Roten so wichtigen Pensionisten ansprechen kann.
  • VP-Spitzenkandidat Karas will hingegen einen klaren Pro-EU-Wahlkampf führen, der ganz auf seine Person zugeschnitten ist. Karas hofft knapp, aber doch den ersten Platz verteidigen zu können.
  • Die FPÖ wiederum will mit Vilimsky einen Anti-EU-Wahlkampf führen. Die Blauen wollen die Wahl zum Europäischen Parlament aber auch stark zur „innenpolitischen Denkzettelwahl“ umpolen, hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bereits angekündigt.

Anfang Mai werden alle Parteien den Intensivwahlkampf starten. Wer dann wohl das beste Blatt hat?

Isabelle Daniel

Politikberater Thomas Hofer über die Wahl:

"Chancen der FPÖ sind jetzt besser"

ÖSTERREICH: Der Kampf um Platz eins wird nach dem Rücktritt Mölzers spannend, oder?
Thomas Hofer: Die Karten werden jetzt neu gemischt. Mich würde es wundern, wenn die FPÖ den ersten Platz schafft, aber der Rücktritt Mölzers hat die Chancen der FPÖ verbessert.

ÖSTERREICH: Weil die FPÖ jetzt den Martin-Wählern ein Angebot machen kann?
Hofer: Genau. Es sind da 17,7 Prozent ehemalige Hans-Peter-Martin-Wähler. Die FPÖ kann diesen EU-kritischen Wählern, die aber keinen Rassismus wollen, jetzt viel stärker ein Angebot machen.

ÖSTERREICH: Kann der Rücktritt Mölzers der FPÖ im Rechtsaußen-Lager schaden?
Hofer: Die Hardcore-Mölzer-Fans und der rechte Rand der FPÖ drohen jetzt demobilisiert zu werden. Aber diese Leute sind nicht dumm, sie wissen, dass sie alleine keine Chance hätten. Ich denke, Mölzers Rückzug bringt Strache weit mehr. Wäre Mölzer Kandidat geblieben, hätte er die FPÖ dramatisch Stimmen gekostet.

erstellt am 09. April 2014, 23:12

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