Musikverein steht zu Orchester-Residenzen

Wiener Musikverein
© TZ Österreich Fally Gerhard

"Dichte an ausländischen Orchestern hilft auch den Heimischen", so Angyan.

 Rund 300.000 Karten für 406 Abonnement-Konzerte in 81 Zyklen bietet die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien in der kommenden Saison an. Auch 2014/15 werden zahlreiche renommierte, ausländische Orchester im Musikverein aufspielen. "Das wollen, können und werden wir uns leisten", betonte Intendant Thomas Angyan am Dienstag bei der traditionellen Pressekonferenz.

Knapp kalkuliert und im Bereich des Möglichen

Die Bemühungen rund um ausländische Orchester habe dem Musikverein eine "Sonderstellung" und international viele Nachahmer verschafft. Möglich mache das die Drei-Jahres-Budgetplanung, dank der auch die Saison 2016/17 "schon zu 80 Prozent steht", so Angyan. "Wir können mit dem Budget auskommen, weil wir schon jetzt wissen, was auf uns zukommen wird." Und das, obwohl die schon lange gleichbleibende Subvention aus öffentlicher Hand mit 1 Mio. Euro (neben 1,1 Mio. Euro Sponsorengeldern) nur knapp fünf Prozent des mehr als 20-Millionen-Umsatzes des Musikvereins darstelle. Zugegebenermaßen tue sich das Haus ohne eigenem Orchester und mit kleinem Team aber "auch leichter, flexibel zu sein". Übertrieben hohe Gehaltsforderungen müsse man dennoch ablehnen, "dann spielt der eben auch heuer nicht hier", meinte Angyan in Anspielung auf einen Künstler "mit sich wiederholendem Namen".

Neue Saison mit Riccardo Muti  
Umso stolzer ist man auf jene großen Musiker, die den Musikverein in der kommenden Saison prägen. Dirigent Riccardo Muti, der Konzerte mit seinem Chicago Symphony Orchestra und Werke von Haydn und Schubert mit den Wiener Philharmonikern geben wird, erhält in der kommenden Saison ebenso eine Carte Blanche wie Michael Heltau - "kein Musiker, aber ein sehr musikaffiner Schauspieler". Der Doyen des Burgtheaters gestalte "einen Überraschungszyklus, auch für uns", so Angyan. Denn Heltau habe sich zwar bereits "schöne Titel" für seine Programme ausgedacht, lasse sich "aber nicht in die Karten schauen, was er macht und welche Musiker er dafür will". Unter den als "artists in residence" vielbeschäftigten Künstlern sind auch Pianist Daniel Barenboim, Violinist Julian Rachlin, Bariton Thomas Hampson und Dirigent Mariss Jansons.

Wien: Magnet für ausländische Orchester
Die Dichte der ausländischen Konzerte sei gewohnt hoch "und wird von keinem Veranstalter in dieser Qualität angeboten", zeigte sich der Musikvereins-Intendant stolz. Das helfe auch den heimischen Orchestern, "denn nur im Wettbewerb können sie sich messen". Im Rahmen von 22 Konzerten der sieben Orchester-Residenzen kommen neben Mutis Chicago Symphony Orchestra auch das Tschaikowski-Symphonieorchester unter Dirigent Vladimir Fedosejev, die Tschechische Philharmonie und das Cleveland Orchestra, mit dem Franz Welser-Möst zwei Konzerte mit Werken von Johannes Brahms und Jörg Widmann im Musikverein und ein Konzert im Konzerthaus bestreiten wird. "Wir wollten hier im ersten Jahr des neuen Leiters Matthias Naske ein Zeichen der verstärkten Zusammenarbeit und Verbundenheit setzen", betonte Angyan.

Weitere Highlights 2014/2015

Im Rahmen weiterer 15 Konzerte von neun ausländischen Orchestern bestreitet Überflieger Andris Nelsons mit dem 3. Akt von Wagners "Parsifal" im Juni 2015 sein letztes Konzert mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra, ehe er in der Saison 2015/16 als neuer Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra in den Musikverein zurückkehrt. Sein Landsmann Jansons bringt u.a. Brahms und Strawinsky mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, und die Berliner Philharmoniker spielen unter Simon Rattle Werke von Bruckner und Janacek.

Harnoncourt feiert im Musikverein Geburtstag
Nikolaus Harnoncourt widmet sich am Tag seines 85. Geburtstags (6. Dezember) mit dem Concentus Musicus Wien Haydns Oratorium "Die Schöpfung" und ein Monat zuvor mit den Wiener Philharmonikern Schubert. Dem nimmt sich auch der Schweizer Philippe Jordan in seinem ersten Jahr als Chefdirigent der Wiener Symphoniker an: Im Musikverein und im Konzerthaus wird er sämtliche Symphonien Schuberts zu Gehör bringen. Unter den RSO-Konzerten hob Angyan Schostakowitsch' 1. Violoncello-Konzert hervor, das mit Harriet Krijgh ein "vom Musikverein aufgebautes, junges Talent" bestreitet.

Zeitgenössische Musik
Das zeitgenössische Programm biete u.a. Friedrich Cerha, Gottfried von Einem und Schwerpunkte zu György Ligeti und Jörg Widmann, "wobei hier in den Neuen Sälen noch viel, viel mehr dazu kommt", so Angyan. Dort findet auch ein Großteil der 229 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Schon jetzt könne man dabei mit 47.200 Besuchern rechnen, "weil diese Konzerte erfreulicherweise regelmäßig ausverkauft sind".

 
 

erstellt am 02. April 2014, 10:40

Postings 0 Kommentare ausblenden

Posten Sie Ihre Meinung

Mehr zum Thema