Lufthansa streicht Jobs und Dividende

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AUA-Betriebsübergang bringt 115 Millionen für Kranich-Bilanz - Milliardengewinn durch Einmaleffekte, Lufthansa kauft hundert neue Flugzeuge - Auch bei AUA wieder Rotstift befürchtet

Auf seinem Sparkurs geht Lufthansa-Chef Christoph Franz nun ans Eingemachte. Die aus historischen Gründen in Köln sitzende Zentralverwaltung des größten europäischen Luftfahrtkonzerns soll bis spätestens 2017 nach dann 64 Jahren komplett aufgelöst werden. Die verbliebenen Zentralfunktionen gehen wie so viele andere zuvor ins Aviation Center am Frankfurter Flughafen, aus dem der Konzern schon seit Jahren gelenkt wird.

Bei den am Dienstagabend überraschend vorgestellten Stellenstreichungen stehen deutschlandweit zunächst rund 1.200 Jobs auf dem Spiel. Neben Köln, wo möglicherweise auch noch die Lufthansa-Tochter Cityline abgezogen wird, sind Norderstedt und Hamburg betroffen. Im Sparprogramm "Score" sind für Deutschland insgesamt 2.500 Stellenstreichungen vorgesehen, weltweit sollen es 3.500 sein. Vieles wird an externe Dienstleister und ins Ausland verlagert. Ohne Konflikte wird das Sparprogramm aber nicht abgehen. So viel steht schon fest.

Auch bei der österreichischen Tochter in Wien geht wieder die Sorge um: Boden-Betriebsratschef Alfred Junghans fürchtet, dass das neue Sparprogramm (Score) zeitverzögert auch in Österreich wieder ankommt. Dass die Lufthansa in ihrer Bilanz 2012 mit mehr als 115 Mio. Euro vom umstrittenen Flugbetriebsübergang der AUA (Austrian Airlines) auf Tyrolean profitiert hat, zeigt für AUA-Bordbetriebsrat Karl Minhard, wohin die Reise im Konzern geht: "Eine Sauerei. Das war unsere Pensionskasse", sagte Minhard zur APA. Die AUA versicherte: Man habe bloß die zukünftigen Zahlungsverpflichtungen verringert, nicht aber den Pensionstopf ausgeräumt.

Der aktuelle Konzerngewinn von fast einer Milliarde Euro nach dem Vorjahresverlust von 13 Millionen Euro resultierte laut Lufthansa-Angaben aus Einmaleffekten, wirft für Beobachter aber Fragen nach der Notwendigkeit der Schnitte auf. Die Lufthansa verweist auf zahlreiche positive Einmaleffekte und die immer schwächeren Erlöse des Kerngeschäfts. Die Lufthansa-Passage als größte und wichtige Airline dürfte zum Gewinn nichts beigetragen haben, die Gewinne kommen aus Nebengeschäften und der bereits durchsanierten Tochter Swiss und dem Sondereffekt von der AUA.

An der Börse wurde das konkretisierte Sparprogramm der Lufthansa verschnupft aufgenommen. Vor allem wegen der gestrichenen Dividende gab der Kurs zunächst nach. Bei der Swiss gab es einen Kursrückgang um mehr als 5,8 Prozent. Commerzbank-Luftfahrtanalyst Frank Skodzik lobt den Lufthansa-Chef: "Christoph Franz hat bei der Tochter Swiss gezeigt, dass er ein Unternehmen herumdrehen kann. Die von ihm eingeleiteten Maßnahmen sind zwar schmerzhaft, aber auch absolut notwendig."

Für 2011 hatte die Lufthansa noch 25 Cent je Anteilschein an Dividende ausgeschüttet. Das einbehaltene Geld steckt der Konzern in neue Flugzeuge. So soll die Flugzeug-Einkaufstour deutlich größer ausfallen als bisher geplant. Die Lufthansa beabsichtigt, zusätzlich 108 neue Flugzeuge zum Listenpreis von rund 9 Mrd. Euro zu bestellen. Die Verhandlungen mit den beiden Herstellern Airbus und Boeing liefen derzeit. Zusammen mit den bereits bestellten Maschinen steckt die Lufthansa damit bis 2025 rund 23 Mrd. Euro in die Anschaffung von 239 neuen Flugzeugen.

Ohne Konflikte wird das Sparprogramm der Lufthansa nicht ablaufen. Nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi belasten die Pläne die Ende Februar anstehenden Lohnverhandlungen für Zehntausende Beschäftigte der Airline. Man werde den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen, kündigte die Gewerkschaft am Mittwoch in Berlin an. Dabei schloss sie ausdrücklich die Möglichkeit eines Streiks mit ein.

erstellt am 20. Februar 2013, 17:02

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