Kommen wir mit blauem Auge davon?

Hypo Alpe Adria
© TZ ÖSTERREICH/Raunig

Der Schaden aus dem Hypo-Debakel wird enorm – könnte aber begrenzt werden.

Bis zu 19 Milliarden Euro reichen die Schätzungen für das Hypo-Debakel. Laut Fiskalrats-Chef Bernhard Felderer droht den Steuerzahlern ein enormer Schaden – der dürfte vom Horrorszenario aber doch um einiges entfernt sein.

Bestenfalls: 6,8 Milliarden, schlimmstenfalls 11,1 Mrd.

Zu den bereits ausgegebenen 4,8 Mrd. Euro könnten bestenfalls zwei, schlimmstenfalls 6,3 Milliarden dazukommen.

  • 18,5 Milliarden beträgt die ­Bilanzsumme der Hypo Alpe Adria.
  • Fünf Milliarden sind laut Felderer vorhanden – teilweise in bar. Wahrscheinlich 13,5 Mrd. kommen in die Abwicklungsanstalt.
  • Kredite „notleidend“: Von den 13,5 seien 5,3 Milliarden Kredite, die pünktlich (mit max. 3 Monaten Verspätung) bedient werden. 8,2 Mrd. Euro gelten als „notleidend“ (sind also uneinbringlich).
  • 4,9 Mrd. € problematisch: Für weitere 3,3 Mrd. Euro gebe es Risikovorsorgen. Bleiben 4,9 Mrd. – von denen knapp 1 Mrd. bereits abgebaut sei.
  • Von den 4 Mrd. seien 2 besichert, so Felderer. Je nach Geschick bei der Verwertung drohe dann ein Schaden von 2 bis max. 4 Milliarden.
  • 2,3 Milliarden an Bayern: Noch ein Unsicherheitsfaktor: Ex-Hypo-Eigentümerin BayernLB hat noch 2,3 Mrd € in der Bank – Geld, um das Österreich mit den Bayern wird verhandeln müssen. Österreich habe da aber keine schlechten Karten.
  • Bund zahlte schon 4,8 Mrd.: Allerdings: Der Bund schoss bisher 3,6 Mrd. € als Kapital in die Bank, für 1,2 Mrd. € haftet er. Dieses Geld ist weg.

SPÖ will jetzt Weisenrat statt U-Ausschuss
Indes tobt der Politstreit weiter: Einen Weisenrat – besetzt mit internationalen Experten – schlug Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny vor – und die SPÖ findet das gut: SP-Klubobmann Andreas Schieder sieht das gegenüber ­ÖSTERREICH als einen „Vorschlag, der zur Objektivierung und Beruhigung der Situation beitragen könnte“. Werner Kogler von den Grünen ist für einen U-Ausschuss.
 

Fiskalrat-Chef: "Rasch Verhandlungen mit den Gläubigern"

ÖSTERREICH: Was soll die Regierung jetzt tun?
B. Felderer: Es gibt gute Chancen, dass wir mit Zusatzkosten von zwei bis vier Milliarden davon- kommen. Zuerst müsste diese Zahl außer Streit gestellt werden.

ÖSTERREICH: Und dann?
Felderer: Man muss signalisieren, dass die Hypo mittels einer „Anstalt“ abgewickelt wird. Gleichzeitig muss das Insolvenzszenario aufrecht bleiben.

ÖSTERREICH: Das klingt so, als ob nicht viel Zeit ist.
Felderer: Tatsächlich ist der Zeitfaktor kritisch. Es muss jetzt einfach sehr rasch zu Verhandlungen mit den Bayern und den ­anderen Gläubigern kommen. Man kann das nicht länger aufschieben.
 

Krisen-PR-Profi Rosam: "Kommunikation ist katastrophal"

ÖSTERREICH: Die verwirrenden Informationen der Regierung zum Hypo-Debakel, vor allem das Fehlen klarer Zahlen, werden stark kritisiert. Wir beurteilen Sie das als Experte für Krisen-PR?
Wolfgang Rosam: Die Kommunikation ist katastrophal und läuft völlig aus dem Ruder. Es werden keine echten Fakten mitgeteilt, also kann jeder einfach irgendetwas berichten. Das gehört eingefangen!

ÖSTERREICH: Wie denn?
Rosam: Die Regierung müsste raustreten und eine Erklärung abgeben. Die Fakten in verständlichen Worten erläutern: Wie ist das passiert, welche Möglichkeiten haben wir jetzt, was kostet das?

ÖSTERREICH: Wer sollte das machen?
Rosam: Kanzler und Vizekanzler. Es handelt sich um eine echte Krise – und in der Krise kann nur der Chef kommunizieren.

Grün-Finanzexperte: "Hypo-Gläubiger nicht schützenswert"

ÖSTERREICH: Fiskal-Chef Felderer beruhigt, er sagt, dass „nur“ noch 2 Milliarden Euro zu den bisherigen 4,8 dazukommen könnten.
Werner Kogler: Da fliegen die Zahlen nur so hin und her – ich warne vor einer gewissen Scharlatanerie.

ÖSTERREICH: Wie lautet denn Ihre Schätzung?
Kogler: Ich denke, dass wir – zusammen mit dem bereits gezahlten 4,8 Milliarden – insgesamt auf elf Milliarden kommen könnten. Das werden wir aber erst in ein paar Jahren wissen.

ÖSTERREICH: Sie haben die Regierung kritisiert – doch jetzt spricht auch Finanzminister Spindelegger davon, Gläubiger und Anleihenzeichner zur Kasse zu bitten …
Kogler: Ja, und das ist ja auch zu begrüßen. Mir geht es darum, dass Anleihenzeichner ab den 2000er-Jahren nicht mehr schützenswert waren. Sie mussten wissen, in welche Bank sie investieren. Aber ich gebe Fel­derer recht: Es hätten gleich nach der Verstaatlichung Verhandlungen mit den Gläubigern geben müssen.

ÖSTERREICH: SPÖ und ÖVP wollen einen Weisenrat statt einen U-Ausschuss …
Kogler: Man kann Experten beiziehen, doch die müssten dem Parlament zuarbeiten. Wir sind weiter für den U-Ausschuss. Es kann ja nicht sein, dass die zur Kon­trollierenden sich die Kon­trolleure aussuchen. Gerade die Klubobleute Schieder und Lopatka sollten sich aus der Debatte heraushalten. Beide sind als Staatssekretär bei der unnötigen Verstaatlichung der Hypo am Tisch gesessen.

(G. Schröder) erstellt am 22. Februar 2014, 23:29

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