Stronach: "Jetzt will ich die Nr. 1 werden"

Frank STRONACH
© TZ ÖSTERREICH/Stefan Fürtbauer

Stronachs Masterplan: Wie er mit Angriffen und internationalen Freunden siegen will.

Derzeit weilt Frank Stronach wieder in seiner Wahlheimat. Am Dienstag – zwei Tage nachdem er bei den Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten rund zehn Prozent schaffte – hob er via Privatjet wieder gen Kanada ab. Ab 10. April will der 80-jährige Neopolitiker dann wieder am politischen Parkett mitmischen.

Im Hintergrund laufen derzeit die Vorbereitungen für ein Antreten des Teams Stronach bei der Landtagswahl in Salzburg auf Hochtouren. Auch dort möchte Stronach am 5. Mai zeigen, dass „unsere Bewegung jetzt richtig in Fahrt“ komme.

Denn der Austro-Kanadier mit der – freundlich ausgedrückt – unkonventionellen Art hat hohe Ziele: Bei der Nationalratswahl am 29. September möchte er nicht nur die FPÖ vom dritten Platz verdrängen. Nein, Stronach, so sagt er es im großen ÖSTERREICH-Interview, möchte gar „Erster werden“.

Derzeit bringt der Magna-Gründer freilich vor allem die FPÖ in Bedrängnis. Aber selbst SPÖ-Kanzler Werner Faymann reagiert nach Stronachs erstaunlichen Wahlergebnissen irritiert: „Für mich hat er bereits zu viele Proteststimmen erreicht.“
Emotional. Das wahre Match wird freilich dennoch zwischen Stronach und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ablaufen. Im ÖSTERREICH-Interview zeigt sich Stronach jedenfalls vor allem in einem Punkt emotional: Er „will nicht mit Haider und Strache verglichen“ werden. Denn das sei „sehr unfair. Ich habe nie jemanden diskriminiert.“
Tatsächlich will Stronach nicht auf die alte blaue Karte – Anti-Ausländerpolitik – setzen.
Im Nationalratswahlkampf möchte der Milliardär vielmehr weiter als Kämpfer „gegen das System“, gegen „die da oben“ und gegen die EU punkten.

Politikberater Thomas Hofer gibt ihm durchaus Chancen: „Er hat der FPÖ den Alleinvertretungspart im Populismusbereich abspenstig gemacht.“

Neue Mandatare
Nach seiner Rückkehr möchte Stronach jedenfalls endlich sein Parteiprogramm präsentieren. Es soll laut ihm „alle wichtigen Themen abhandeln“. Und er möchte spätestens dann auch neue Mandatare aus anderen Parteien willkommen heißen. Offiziell sagt Stronach nur, dass „wir Neue bekommen werden“. Im Hintergrund dürfte er, respektive sein Klubchef, Robert Lugar, mit einem roten, einem schwarzen und zwei BZÖ-Mandataren Verhandlungen über einen Wechsel zu Team Stronach führen. Dass er die Hälfte seiner Zeit in Kanada und den USA verbringt, sei hingegen „kein Problem“, glaubt zumindest Stronach. Derzeit scheint Stronach mit seiner unkonventionellen Art zu punkten. Ganz, wie einst eben Jörg Haider …
 

"Es ist unfair, mich mit Haider zu vergleichen"

ÖSTERREICH: Nachdem Sie in Niederösterreich und Kärnten je einen Landesregierungssitz geschafft haben, was ist denn nun Ihr Ziel für die Nationalratswahl?
Frank Stronach: Da wollen wir viel mehr erreichen. Ein viel höheres Ergebnis erzielen.

ÖSTERREICH: Sie meinen, Sie wollen die FPÖ überholen und Dritter werden?
Stronach: Wieso Dritter? Ich will Erster werden. Ich trete an, um zu gewinnen.

ÖSTERREICH: Das ist nicht sehr realistisch.
Stronach: Alles ist möglich. Die Menschen schätzen, dass ich unabhängig bin. Dass ich ernsthaft gegen Korruption antrete.

ÖSTERREICH: Wir haben Sie als „neuen Haider“ bezeichnet. Ist das Ihr Ziel?
Stronach: Das ist ein sehr unfairer Vergleich. Erstens bin ich ein Wirtschaftsmann mit einer sozialen Ader, der auch viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Zweitens bin ich in keiner Art diskriminierend. Dieser Vergleich mit Haider ist wirklich ungerecht mir gegenüber. Ich möchte in keiner Art und Weise mit ihm verglichen werden.

ÖSTERREICH: Warum konkret?
Stronach: Ich habe den größten jüdischen Preis bekommen, für soziales Engagement und menschliche Gerechtigkeit. Der Haider hätte diesen Preis nie bekommen. Und Sie wissen genau, warum er ihn nie bekommen hätte. Das ist ein großer Unterschied. Er soll in Frieden ruhen. Er hat wahrscheinlich etwas dazu beigetragen, das System zu verändern. Aber sonst habe ich mit ihm in keinster Weise etwas zu tun.

ÖSTERREICH: Es stimmt, dass Sie nicht auf Anti-Ausländer-Parolen setzen. Aber Sie bauen wie einst Haider auf Anti-Proporz, Anti-System & Co. Das hatte bislang Strache besetzt. Jetzt scheinen Sie die FP da zu verdrängen, oder?
Stronach: Faktum ist, ich habe eine der größten Firmen der Welt gegründet, war in unzähligen Aufsichtsräten in Banken, Spitälern, in der New Yorker Börse. Über mich sagt Bill Clinton, dass er mich schätzt und anerkennt. Ich bezweifle, dass Clinton jemals über Strache sagen würde: ‚Ich schätze dich, ich sehe dich als Freund.‘ Das würde er nie über Strache sagen.

ÖSTERREICH: Clinton würde das wohl über keinen österreichischen Politiker sagen …
Stronach: Dann schreiben Sie das …

ÖSTERREICH: Es ist ein Unterschied, ob jemand in der internationalen Wirtschaft tätig war oder österreichischer Politiker ist. Aber das heißt, Sie wollen auch nicht mit Strache verglichen werden.
Stronach: Ganz genau. Ich will weder mit Haider noch mit Strache verglichen werden.

ÖSTERREICH: Werden Sie nun Spitzenkandidat für die Nationalratswahl?
Stronach: Ja, ich werde der Spitzenkandidat sein. Das ist ganz klar.

ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich, dass kolportiert wurde, dass Ex-VP-Landesrat Paierl Parteichef und Spitzenkandidat des Teams Stronach werden könnte?
Stronach: Das müssen Sie ihn fragen. Das war für mich nie ein Thema. Ich werde ihn jedenfalls sicher nicht auf die Liste nehmen. Es gibt einen Parteichef: mich.

ÖSTERREICH: Wenn Sie Spitzenkandidat sind, werden Sie dann in die ORF-Wahlkonfrontationen gehen? Im niederösterreichischen Wahlkampf hatten Sie das ja abgelehnt.
Stronach: Weil ich faire Rahmenbedingungen wollte. Pröll durfte viel länger als alle anderen reden.

ÖSTERREICH: Und Sie wollen länger als die anderen reden?
Stronach: Nein, ich möchte Fairness. Und die Zweier-TV-Konfrontationen werde ich auch machen. Nur Elefantenrunden, wo jeder hin und her redet, mache ich nicht.

ÖSTERREICH: Das heißt, die ORF-Duelle gegen Faymann, Spindelegger und Co. werden Sie machen?
Stronach: Ja, natürlich. Das gibt den Zuschauern auch die Möglichkeit, mich besser einschätzen zu können.

ÖSTERREICH: Wird das Team Stronach am 5. Mai bei der Salzburger Landtagswahl antreten?
Stronach: Wenn wir ein gutes Team zusammenbekommen, dann ja. Das müssen die Salzburger entscheiden. Wenn wir die richtigen Leute mit den richtigen Werten haben, werden wir antreten. Die Entscheidung treffen wir in den kommenden zwei Wochen.

ÖSTERREICH: Aber Sie sind ja jetzt bis Anfang April in Kanada. Kann man so überhaupt eine Partei leiten?
Stronach: Ja, warum nicht? Ich bin für meine Leute jederzeit erreichbar. Es gibt Telefone und andere Kommunikationsmöglichkeiten. Machen Sie sich keine Sorgen.

ÖSTERREICH: Sie agieren für einen Parteichef, gelinde gesagt, unkonventionell. Am Abend der Wahlen in Niederösterreich und Kärnten hatten Sie sich weder der Öffentlichkeit noch Ihrem Team gezeigt. Seltsam, wenn man Parteichef ist, nicht?
Stronach: Wieso? Ich bin ja noch am Tag danach Parteichef. Ich verstehe die Aufregung nicht.

ÖSTERREICH: Sie reden mit Mandataren aus mehreren Parteien über einen Wechsel zu Ihnen. Werden neue Mandatare wechseln?
Stronach: Mehrere wollen mit mir reden. Aber das sind vertrauliche Gespräche. Aber es werden Neue kommen.

ÖSTERREICH: Sie sagen, Sie wollen Erster werden, aber nicht Kanzler. Wieso denn? Was bringt das dann?
Stronach: Weil ich noch leben möchte. Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will, wenn ich erwachsen werde. Aber im Ernst: Ein Kanzler sollte 24 Stunden im Dienst sein. Ich möchte das System ändern. Aber nicht selbst Kanzler werden. Ich möchte zum Beispiel, dass Parteibücher in Betrieben verboten werden. Man kann so nicht mehr weitermachen. Sonst zerbricht das Land.

(Isabelle Daniel) erstellt am 10. März 2013, 00:01

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