Eurogruppen-Chef droht Krisenländern

Dijsselbloem
© Reuters

Dijsselbloem ruderte nach Aufregung um seine Aussagen zurück.

Lang dauerte der Applaus der Börsianer für die Zypern-Rettung am Montag nicht. Die Börsen in Europa drehten in die Verlustzone. Namentlich die Bankaktien litten am Nachmittag unter Aussagen des neuen Eurogruppen-Chefs Jeroen Dijsselbloem, dass der Restrukturierungsplan für zypriotische Banken als Vorlage für den Rest der Eurozone dienen solle.

"Diese Äußerung hat die Unsicherheit wieder erhöht", sagte ein Marktteilnehmer. "So etwas kann man zwar denken, sollte es aber nicht so sagen."

Ein Börsianer sprach von einem "Testballon" der Eurogruppe: Nachdem die Aktienmärkte das Rettungspaket für Zypern relativ gelassen aufgenommen hätten, teste sie aus, wie weit sie gehen könne. Nun sei auch in den anderen Euro-Peripherieländern eine Kapitalflucht zu befürchten.

Drohung an Krisenländer
Der neue Eurogruppenchef tat seine als so bemerkenswert bewertete Äußerung in einem Interview mit Reuters und "Financial Times" am Montag in Brüssel. Die Rettung Zyperns über die Restrukturierung seiner Großbanken markierte einen Einschnitt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise in der Euro-Zone, sagte er in dem Interview. Zum einen stehe der Fall Zypern Modell für den Umgang mit drohenden Bankpleiten in der Zukunft, erklärte er.

Zum anderen sei klar, dass auch andere Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten. Zypern hatte nach heftigem Streit mit den internationalen Geldgebern im zweiten Anlauf ein Rettungspaket vereinbart. Die beiden größten Banken des Landes sollen zusammengelegt und der Banksektor eingedampft werden.

Dijsselbloem rudert zurück
In einer Mitteilung am Montag betonte Dijsselbloem allerdings wieder, dass die Bankenrettung in Zypern kein Modell für andere Länder sei. In der Mitteilung hieß es: "Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt."

In Zypern werden Großanleger, Eigentümer und Gläubiger der beiden größten Banken der Insel zu ihrer Rettung herangezogen. Die zweitgrößte Bank, Laiki, soll aufgespalten werden und am Ende de facto vom Markt verschwinden. Kunden mit Einlagen von mehr als 100 000 Euro müssen mit erheblichen Verlusten rechnen. Dieses Vorgehen ist in der Eurozone bisher einzigartig.

 

Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© Reuters Jeroen Dijsselbloem, Präsident der Eurogruppe.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© Reuters Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© Reuters Christine Lagarde mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© APA Jeroen Dijsselbloem und EU-Währungskommissar Olli Rehn beraten sich.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© Reuters Der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© APA Mario Monti, Präsident der Europäischen Zentralbank.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© Reuters IWF-Chefin Christine Lagarde, Eurogruppen-Präsident Jeroen Dijsselbloem und EU-Währungskommissar Olli Rehn.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© AP EU-Währungskommissar Olli rehn im Gespräch mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Monti.
Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Euro-Finanzminister einigen sich auf Zypern-Rettungspaket.
© APA IWF-Chefin Christine Lagarde und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.
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erstellt am 25. März 2013, 19:00

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