"Ein hohes C ist wie ein Brunftschrei"

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© barbara pálffy / volksoper

US-Startenor Neil Shicoff debütiert morgen als Kalaf in Puccinis „Turandot“.

Oper. Zwei Rollendebüts in fünf Wochen ist eine Meisterleistung – auch für einen phänomenalen Sänger wie Neil Shicoff. Am 24. Jänner triumphierte der Sensibilissimus unter den Startenören an der Staatsoper in Leoncavallos Pagliacci als rasender Komödiant Canio; seine große Arie Vesti la giubba wurde vom Publikum mit Bravo-Geschrei gefeiert.

Disneyland. Morgen debütiert er in einer neuen Rolle an der Volksoper: In Renaud Doucets bunter, von Insekten bevölkerter Disneyland-Inszenierung von Puccinis letzter, unvollendeter Oper Turandot singt er den tatarischen Prinzen Kalaf, der die chinesische Prinzessin Turandot liebt. Um sie zu gewinnen, muss er drei Rätsel lösen, andernfalls wird er geköpft. „Ich wollte Canio und Kalaf immer singen, habe aber zugewartet, weil ich meine Karriere bedächtig aufgebaut habe“, sagt Shicoff. „Jetzt hat es sich so ergeben, dass beide Debüts so knapp hintereinander über die Bühne gehen.“

Pop-Charts. Weltberühmt ist Kalafs Arie Nessun dorma, mit der Luciano Pavarotti beim Drei Tenöre-Konzert zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990 die Pop-Charts gestürmt hatte. Shicoff: „Kalaf ist als Figur nicht so interessant und neurotisch wie meine anderen Rollen, Werther, Eléazar oder Peter Grimes. Aber er hat sinnliche, dramatische Musik in einer hohen Tessitura – im 2. Akt auch ein hohes C – zu singen. Puccini war ja ein großer Frauenheld, seine Musik klingt so, als würde er gerade Liebe machen.“

Das hohe C. Und: „Ein hoher Tenorklang ist erregend, da blitzt und funkelt alles voller Kraft und Energie. Ein hohes C ist wie ein Brunftschrei bei Tieren. Deshalb lieben die Frauen die Tenöre.“

E. Hirschmann-Altzinger

erstellt am 26. Februar 2014, 20:09

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