Air Berlin macht wieder Gewinn

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© TZ Oesterreich Hausler Manfred

Nur Verkauf von Vielfliegerprogramm ermöglichte Gewinn.

Jahr um Jahr versprach die Niki-Mutter Air Berlin ihren Anlegern schwarze Zahlen und blieb das Ergebnis schuldig. Jetzt ist es gelungen - aber nur mit Hilfe vom Golf und des Verkaufs von Tafelsilber.

Wolfgang Prock-Schauer lehnte sich zurück und legte die Hände übereinander - als andere Airline-Manager auf die Stuhlkante vorrückten, gestikulierten und warnten, die deutsche Luftfahrtbranche gehe vor die Hunde. Das war am Montag in der Bundespressekonferenz. Ob Prock-Schauer, der neue Air-Berlin-Chef, da schon wusste, dass er drei Tage später den ersten Überschuss seit vier Jahren verkünden würde? Die Überraschung ist jedenfalls gelungen, die Börse feierte am Freitag das Ergebnis. Doch zum Zurücklehnen besteht für die schwer angeschlagene Nummer zwei am deutschen Himmel kein Anlass. "Wir sind noch nicht am Ziel", sagt Prock-Schauer.

Dienstag war ein weiterer wichtiger Tag in dieser ereignisreichen Woche des 56-jährigen Österreichers. Der Dienstag zeigt, dass die Airline noch einigen Ärger vor sich hat. Glaubt man der Gewerkschaft Verdi, erhalten die ersten 90 Beschäftigten in der Zentrale ihre Kündigungen - einen Tag, bevor dort ein Betriebsrat gewählt wird. Das Unternehmen will sich dazu nicht äußern, aber es wird deutlich, dass der angekündigte Stellenabbau Prock-Schauer Kraft kosten wird.

Kaum im Amt, hatte er im Jänner angekündigt, dass 900 Arbeitsplätze wegfallen sollen, fast jeder zehnte Job. Das von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn geerbte Sparprogramm "Turbine" verschärft Pock-Schauer, bis Ende nächsten Jahres sollen 450 Millionen Euro eingespart werden. Dabei ist Air Berlin schon lange auf Sparkurs. Firmengründer Joachim Hunold selbst hatte die Schrumpfkur vor seinem Abgang 2011 verordnet. Unrentable Strecken fallen weg, die Flotte wird kleiner. Auslastung und Ergebnis sollen gleichzeitig steigen.

Es ist Mittwoch, als bei Air Berlin wieder das Problem auf der Bildfläche erscheint, zu dem sich das Unternehmen schon gar nicht mehr äußern möchte: Der neue Hauptstadtflughafen, der nicht fertig wird. Noch immer sitzt Air Berlin am ebenso überlasteten wie alten Berliner Flughafen Tegel fest. Und nun kündigt das Land Brandenburg an, an dem Neubau an der Stadtgrenze das Nachtflugverbot auszuweiten. Kommt es so, wären dem Ausbau des Air-Berlin-Drehkreuzes Berlin am neuen Hauptstadtflughafen sehr enge Grenzen gesetzt.

Endlich gute Nachrichten, dürften sich die Air-Berlin-Strategen am Donnerstag gedacht haben. Am Abend liefern sie für das Jahr 2012 schwarze Zahlen ab. Knapp sieben Millionen Gewinn stehen unter dem Strich. Es ist der erste Gewinn seit 2007. Doch den Erfolg verdankt das Unternehmen vor allem dem Verkauf seines Vielfliegerprogramms an seinen arabischen Großaktionär Etihad Airways.

Und selbst über diesen Gewinn hat sich der Vorstand zu früh gefreut. Die als Bilanzpolizei bekannte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung zwingt Air Berlin zu einer nachträglichen Bilanzkorrektur. Wer dachte, dass die Fluggesellschaft Ende 2011 mit 254 Millionen Euro Eigenkapital schon schlecht dagestanden sei, staunt nun nicht schlecht. Nach der Berichtigung ist von der Summe Ende 2012 nur noch gut die Hälfte übrig. Für die rund 130 Millionen Euro bekäme die Gesellschaft bei Airbus gerade noch zwei A320-Mittelstreckenflieger.

Angesichts solcher Tiefschläge kann sich Air Berlins Finanzchef Ulf Hüttmeyer glücklich schätzen, dass die Aktie der Fluggesellschaft am Freitag abhebt wie lange nicht. Um fast zehn Prozent schießen die Papiere in die Höhe. Die Nachricht von schwarzen Zahlen lässt die Anleger jubilieren.

Doch nicht alle sind blind für die Gefahren in der Bilanz. "Nun fliegt Air Berlin ähnlich wie die Aktie praktisch auf Sicht", sagt Aktienhändlerin Sarah Brylewski von Gekko Markets. Die nächsten Turbulenzen seien fast ausgemacht. Auch vielen der rund 9.000 Air-Berlin-Mitarbeitern stehen die Erschütterungen noch bevor. Die einen stehen wohl bald auf der Straße. Und den anderen bläst der Wind künftig noch schärfer um die Nase.

erstellt am 22. Februar 2013, 13:13

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