Zahlungsmoral in Österreich sehr hoch

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© TZ Österreich/Schwarzl

Privatpersonen begleichen ihre Rechnungen im Schnitt nach 18 Tagen.

Trotz der trüben Geschäftslage hat die Zahlungsmoral in Österreich nicht gelitten und bleibt relativ hoch: Fast drei Viertel der Firmen zahlen ihre Rechnungen innerhalb des Zahlungsziels von 25 Tagen, während der durchschnittliche Zahlungsverzug sechs Tage betrage. Im Schnitt begleichen die Unternehmen ihre offenen Rechnungen nach 31 Tagen - genauso schnell wie im Vorjahr. Die öffentliche Hand ist mit einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 41 Tagen (2012: 42 Tage) spürbar langsamer, während Privatpersonen unverändert zum Vorjahr ihre Rechnungen nach 18 Tagen begleichen, geht aus einer Online-Umfrage unter rund 2.500 Firmen des Kreditschutzverbandes (KSV) von 1870 hervor.

Positives Zahlungsverhalten
Diese Stabilität im Zahlungsverhalten sei aufgrund der schlechten Wirtschaftsaussichten durchaus positiv, so der KSV. Denn die Unternehmen bewerten heuer die Geschäftslage schlechter als noch 2012: 53 Prozent bezeichnen sie als "sehr gut" und "gut", im Vorjahr waren es noch 59 Prozent, 2011 gar 62 Prozent. Dagegen erwarten 11 Prozent eine "ungenügende" bzw. "mangelhafte" Wirtschaftslage, 2012 waren es lediglich 8 Prozent, im Jahr davor 7 Prozent. Als häufigste Gründe für den Zahlungsverzug bei den Firmenkunden werden ein momentaner Liquiditätsengpass, von Vorsatz und Ineffizienz der Verwaltung vermutet.

 Bei der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand - bei der aber nicht zwischen Gemeinden, Ländern und Bund unterschieden wird - habe es leichte Verbesserungen gegeben, dennoch gibt es ein deutliches Ost-West Gefälle: Während in Vorarlberg die Rechnungen im Schnitt nach 32 Tagen am schnellsten bezahlt werden, lassen sich Wien und die Steiermark 44 Tage am meisten Zeit, gefolgt vom Burgenland und Niederösterreich mit 43 Tage. Oberösterreich liegt mit 41 Tagen im Bundesschnitt, ergab die Online-Umfrage.

Die öffentliche Hand sei ein wichtiger zentraler Auftraggeber für Wirtschaft, erklärte Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV 1870 Holding, auf Journalistenfragen am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien. Ihr aber den "schwarzen Peter" für Großinsolvenzen wie etwa jene der Alpine zuzuschieben, sei bei rund 10.000 Gläubigern zu kurz gegriffen.

Von EU-Vorgabe weit entfernt
Von der in Österreich umgesetzten Vorgabe der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie, die seit März für die öffentlichen Hand (exklusive Gesundheitswesen) ein Zahlungsziel von 30 Tagen vorsieht, ist man noch immer weit entfernt. Diese Regelung gelte erst ein paar Monate, es werde "schon erst genommen", berichtete Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH von seinen Gesprächen mit Verantwortlichen von Gebietskörperschaften. "Es muss dem Apparat die Möglichkeit gegeben, das anzupassen", sagte er.

Auch Nejedlik erwartet, dass eine gewisse Übergangsphase von den Firmen toleriert werde, nach einiger Zeit dürften die Unternehmen diese Frist aber rechtlich durchsetzen. Derzeit würden die Firmen diesbezüglich noch sehr verhalten agieren.

Weniger Insolvenzen möglich
Auf die Frage, ob es weniger Insolvenzen geben würde, wenn die öffentliche Hand pünktlich zahlen würde, meinte Nejedlik, dass jede Liquiditätsstärkung für Unternehmen zu begrüßen sei, es würde die Insolvenzanfälligkeit verringern.

Kommt es zu einer Forderungseintreibung, dann betrage der durchschnittliche offene Rechnungsbetrag rund 2.000 Euro, der von Unternehmen gefordert werde, und knapp unter 400 Euro, der von Privatkunden, erklärte Eibl. Zahlen für Forderungen gegen die öffentliche Hand gebe es nicht.

erstellt am 27. August 2013, 16:01

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