Das MAK bringt Teppiche zum Fliegen

Das MAK bringt seine Teppiche zum Fliegen, aber nicht zum Leuchten
© Rupert Steiner/MAK

Designer Michael Embacher will die Teppich-Sammlung in Wien bekannt machen.

"Unsere Teppich-Sammlung ist überall weltberühmt - nur in Wien nicht", klagt MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein. Daher stand im Zuge der Neukonzeption der Schausammlungen ein neues Raumkonzept für die Teppiche ganz oben auf der Wunschliste. Heute, Dienstag, wurde die neue Präsentation vorgestellt: Designer Michael Embacher brachte die Teppiche zum Fliegen, aber nicht zum Leuchten.

Teppiche ins rechte Licht gerückt

"Mehr Licht!" Dieses Goethe-Zitat kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man den von Barbara Karl kuratierten düsteren Saal der Teppich-Schausammlung des Museums für Angewandte Kunst betritt und sich sofort wünscht, die teuren Gewebe wären nicht nur auf einem komplexen Geflecht an dünnen Stahlseilen aus allen Winkeln zu bestaunen, sondern auch ins rechte Licht gerückt. Mehr Licht geht nicht, erklärte jedoch MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein bei der Presseführung.

Auf die Beleuchtung kommt es an
Aus konservatorischen Gründen habe man nicht nur die Oberlichte schließen, sondern auch die Beleuchtung extrem dimmen müssen. "Wir setzen die maximal zulässige Lux-Stärke ein. Aber wenn Sie ein wenig länger im Saal bleiben, dann gewöhnt sich das Auge rasch und es wird heller und heller." Dann hebt sich auch der sechs Meter lange und im Zentraliran der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geknüpfte "Wiener Jagdteppich", mit 14.300 Knoten pro Quadratdezimeter für Thun-Hohenstein "einer unserer Superstars und einer der feinsten Teppiche der Welt", stärker von seiner Umgebung ab.

Von der Zweidimensionalität wegkommen  
Um optimale konservatorischen Bedingungen zu gewährleisten wurde auch die Fußbodenheizung in einen Kühlboden umfunktioniert und die scheinbar schwebenden Teppiche auf millimetergenaue Platten gelegt, die kreuz und quer zu hängen scheinen. "Unsere Konzeption war, die Teppiche von der Zweidimensionalität wegzubekommen und in ihrer Plastizität zu zeigen", sagte Embacher. Alle zwei, drei Jahre sollen neue Teppiche der vorwiegend aus ehemals kaiserlichem Besitz stammenden Sammlung präsentiert werden, insgesamt 300 Verbindungspunkte der an der Wandschale befestigten Stahlseile ermöglichen dabei auch immer neue Blickwinkel. Teil des neuen Raumkonzepts ist eine künstlerische Intervention der türkischen Künstlerin Füsun Onur: Sie lässt unter die Zwischendecke des hermetisch geschlossen wirkenden Raumes, in dessen Mitte eine Sitzbank mit integrierten Vitrinen aufgestellt wurde, einen aus Goldfäden bestehenden ephemeren weiblichen Engel schweben, "ein Vexierspiel zwischen ideellen, kulturellen und religiösen Welten" und "gleichsam ein alles vereinendes oder in Frage stellendes Zeichen", so der Pressetext.

Nächste Highlights im MAK
Nächster Höhepunkt des Jubiläumsfeierlichkeiten des MAK ist die Eröffnung des 2.000 Quadratmeter umfassenden MAK Design Labors, eine radikale Neupositionierung der ehemaligen MAK-Studiensammlung und ein bewusster Gegenentwurf zur MAK-Schausammlung. Eröffnet wird am 12. Mai, dem 150. Geburtstag des Museums.

Info
Eröffnung heute, Dienstag, 19 Uhr. Zur neuen MAK-Schausammlung Teppiche erscheint der MAK/GUIDE Teppiche, herausgegeben von Christoph Thun-Hohenstein und Barbara Karl, deutsch/englisch, 192 Seiten mit rund 100 Farbabbildungen, MAK Wien / Prestel Verlag, 9,90 Euro, www.MAK.at

 
 

erstellt am 08. April 2014, 13:49

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