Triumph für Pia Douwes und Uwe Kröger

Der Besuch der alten Dame
© Getty Images

Musikalisch interessante Adaption der Dürrenmatt-Vorlage im Ronacher.

Wenn die Verwandten auf Besuch kommen, liegen Freude und Enttäuschungen ja oft nahe beieinander. Beim "Besuch der alten Dame", dem neuen Musical der Vereinigten Bühnen (VBW) im Wiener Ronacher, war dies am 19. Februar nicht anders: Für Hauptdarstellerin Pia Douwes wurde der Premierenabend ein Triumph. Die Inszenierung hingegen leidet darunter, sich nicht konsequent auf einen Weg zu konzentrieren.

Böser Rache-Feldzug
So setzen Regisseur Andreas Gergen, hauptberuflich Operndirektor am Landestheater Salzburg, und sein Leading Team anfangs durchaus auf den satirischen, dunklen Impetus der Moralparabel von Friedrich Dürrenmatt, die als Vorlage diente. Auch in Wien kehrt die alte Milliardärin Claire Zachanassian (Douwes) nach Güllen, den Ort ihrer Jugend, zurück und bietet den verarmten Bewohnern zwei Milliarden - sollte ihr einstiger Geliebter Alfred Ill (Uwe Kröger) sterben. Nach anfänglicher Entrüstung beginnt die Saat der Gier in den Güllenern zu keimen, und zu Kill Ill ist es nicht mehr weit. Bis zur Pause blieb dieses Parabelspiel über Schuld und Sühne, Moral und Materialismus bei allem musicalkompatiblem Pomp spürbar, auch wenn die Figuren weniger Symbole sind als im Original, sondern psychologisch motiviert gezeigt werden.

Aktuelle Gags ins Geschehen eingebaut
Leider wird dieser eingeschlagene Pfad nach der Pause jedoch verwischt. Offensichtlich im Bestreben, möglichst allen potenziellen Zuschauergruppen etwas zu bieten, mischt sich mit einem Mal ein Scherzterzett des Leibwächtertrios Toby, Loby und Roby mit Gags a la "Ich war der Superstar der Hypo-Alpe-Adria" ins Geschehen. Ein Passionsspiel der Bewohner kommt stilistisch in einer vollkommen aus dem Stückfluss fallenden Mischung aus "Sister Act" und "Natürlich blond" daher und die Rückblende auf das junge Liebespaar Claire und Alfred mit Kind wird im Klischeestil einer Margarinewerbung weich gezeichnet. Da scheint die Angst vor den subversiven Qualitäten Dürrenmatts zu groß gewesen zu sein.

Bombastisches Musical im Ronacher  
Dabei ist "Der Besuch der alten Dame" rundum als bombastisches Musical gestaltet. Das Bühnenbild wechselt mittels Drehbühne flexibel zwischen verschiedenen Standorten, vom tristen Grau des verfallenden Güllens zunehmend zu Farbe und Neonlicht, wenn die Dorfbewohner auf Pump ihren Ort herrichten. Auch musikalisch setzen Michael Reed und Moritz Schneider auf den großen Musicalbogen mit Hit-Potenzial, nicht das kleine Kammerspiel: Schmissige Chornummern, Bässe, welche die Mägen im Auditorium erbeben lassen und bisweilen filmische Ausgestaltung, wenn die Szenen musikalisch überblendet werden, erinnern eher an "Elisabeth" denn an "Natürlich blond".

Douwes der Star des Abends  
Der große Star des Abends war dabei zweifelsohne Pia Douwes als Claire Zachanassian. Mit frappanter Bühnenpräsenz und nach wie vor bis in die Höhen sicherer Stimme machte sie die für sie geschriebenen Solonummern zum Erlebnis. Gegen diese Präsenz tut sich ihr Bühnenpartner Uwe Kröger, der mit Douwes einst als Premierenbesetzung von "Elisabeth" Erfolge feierte, mittlerweile auch stimmlich schwerer. Allerdings machen es mitunter holprige Liedzeilen wie "Niemand wird uns irgendwann trennen", für die Wolfgang Hofer verantwortlich zeichnet, während das Buch selbst von VBW-Musicalintendant Christian Struppeck stammt, den Sängern auch nicht immer leicht.

Hohe Erwartungen an neues Musical
In jedem Falle erwartet man bei den VBW nach dem schwachen Abschneiden des Vorgängers "Natürlich blond" nun mit Spannung, wie das Publikum den "Besuch" aufnimmt. Dieser feierte seine eigentliche Uraufführung bereits im vorigen Sommer beim Koproduktionspartner, den Schweizer Thunerseespielen - wo man laut Medienberichten hinter dem Erfolg früherer Produktionen wie "Dällebach Kari" zurückblieb.

Info
"Der Besuch der alten Dame" von Michael Reed und Moritz Schneider (Musik), Christian Struppeck (Buch) in der Regie von Andreas Gergen im Ronacher, Seilerstätte 9, 1010 Wien. Mit Pia Douwes - Claire Zachanassian, Uwe Kröger - Alfred Ill, Masha Karell - Mathilde Ill, Matthias Richter - Bürgermeister Hans Neblung, Norbert Lamla - Polizist Gerhard Lang, Gunter Sonneson - Pfarrer Johannes Reitenberger, Lisa Habermann - Die Junge Claire, Riccardo Greco - Der Junger Alfred, u.a., Karten: 01 / 58885, www.musicalvienna.at.


 

erstellt am 20. Februar 2014, 10:37

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