800 Tote! So versagt die EU

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© ANSA

Statt mehr für die Flüchtlinge zu tun, kürzte die EU die Mittel. Eine Mega-Katastrophe droht.

Auch am Montag ging das Sterben der Mittelmeer-Flüchtlinge weiter. Drei Boote mit insgesamt 500 Menschen gerieten auf dem Weg nach Europa in Seenot. Dutzende kamen um.

Am Sonntag starben über 800 Flüchtlinge. Die bislang größte Katastrophe könnte nun zur bitter nötigen EU-Reaktion führen. Das von Schleppern rücksichtslos mit Flüchtlingen überfüllte Boot kippte mitten in der Nacht. „40 bis 50 Kinder und 200 Frauen waren an Bord“, erzählen Überlebende. Nur 28 Afrikaner aus Eri­trea und Somalia konnten ­gerettet werden. Grausame Schlepper hatten Hunderte in den Laderaum gesperrt.

2014 starben 3.500, heuer sind es schon 1.700 Opfer
Die Politik ist (wieder) entsetzt: „Wir Europäer haben Verantwortung für jedes Menschenleben, das vor unseren Küsten verlorengeht“, sagt Bundeskanzler Werner Faymann (SP). In den letzten Jahren geschah in der EU wenig.

Im Gegenteil: Ende 2014 ließ sie die italienische Rettungsmission „Mare Nostrum“ auslaufen, die 200.000 Menschen rettete. Sie kostete 9 Mio. im Monat – das sind nur 20 Cent pro EU-Bürger im Jahr. Doch das war zu teuer. Ersetzt wurde sie durch „Triton“, eine eingedampfte EU-Operation ohne ausdrücklichen Rettungsauftrag. Sie kostet nur noch 2,9 Millionen Euro im Monat.

EU-Gipfel am Donnerstag
Am Donnerstag findet in Brüssel ein Sondergipfel statt, ab sofort will die EU die Seenotrettung ausbauen, kündigt Italiens EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Montag an. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (VP) sagt zu ÖSTERREICH: „Es braucht jetzt kurzfristige Maßnahmen“. Neben besserer Rettung auf See will er „Flüchtlingszentren in Nordafrika und massiven Kampf gegen die Schlepper“. Klar ist: Jeder vertane Tag kostet Menschenleben.

(küe)

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Krisentreffen: So kann Leid gelindert werden

EU-Minister und NGOs suchen nach Lösungen für die Flüchtlinge. Das sind die ersten Vorschläge.

  • Rettung: Wiedereinführung der Rettungsmission „Mare Nostrum“  kostet 108 Mio. Euro im Jahr, dämmt das Drama ein.
  • Aufnahme: Italien, Spanien, Griechenland schultern 209.000 Flüchtlinge. Politiker fordern eine Verteilung über alle EU-Staaten. Schon in Nordafrika soll die Asylwürdigkeit in Flüchtlings-Zentren geprüft werden.
  • Krisenbekämpfung: Krisen wie in Syrien und Libyen waren lange im Entstehen. Eine gemeinsame EU-Außenpolitik könnte früh gegensteuern. Zudem muss die Kürzung der Entwicklungshilfe ein Ende haben. Langfristig spart das Geld bei der Flüchtlingsbetreuung im Inland.

erstellt am 20. April 2015, 23:39

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