Yacht-Gutschein statt finanzieller Hilfe

Sodexo-Gutscheine als Weihnachtsbeihilfe in Graz
© GUBISCH

ÖSTERREICH sprach mit einer Betroffenen.

Graz. 8.984 Grazer SozialCard-Besitzer haben in diesem Jahr einen Antrag auf Weihnachtsbeihilfe gestellt. Dieser ist durch eine Neuerung notwendig geworden, die Sozialstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) umgesetzt hat. „Als Sozialstadtrat ist es mir besonders wichtig jene zu unterstützen, die sich nicht selbst helfen können“, meint er. Die Idee: Gutscheine statt Überweisung erhöhen die „Treffsicherheit“. Aus diesem Grund sind auch Alkohol, Glücksspiel und Tabak ausgeschlossen. Für seine Beihilfe müsse man (online) „etwas tun“, dafür sei die Bedienung aber „niederschwellig“.

Erika L. ist Pensionistin und als solche in Besitz einer unbefristeten SozialCard. Wie Mitte November aus dem Büro Hohensinner angekündigt, wurden ihre Gutscheine automatisch zugesendet – und das per Einschreiben. „Alle Gutscheinpakete werden gleich versendet“, erklärt man im Büro Hohensinner. In der Praxis scheint das nicht genau geregelt zu sein – Ulrike T. fand ihr „Paket“ im Postkasterl.

 

Mit der Beihilfe werde „Schindluder getrieben“


„Wieso wird eigentlich Schindluder mit der Weihnachtsbeihilfe getrieben?“ – fragt Erika L. erzürnt über die Umstellung, „es ist ein Hohn Leuten zu unterstellen, sie würden die Beihilfe missbrauchen. Gleichzeitig wird mit dem Umbau der Sozialstelle Geld verbraten“, findet sie.

„In der Infobroschüre waren nur wenige Lebensmittelmärkte aufgelistet“, erklärt die Frau. Die neuen Partner, die Hohensinner und Sodexo gewinnen konnten, sind darin noch nicht enthalten. „Wir haben die neuen Partner sofort online auf allen Kanälen ergänzt. Darüber hinaus haben wir aber auch sehr breit und aktiv medial kommuniziert“, erklärt man im Sozialstadtratsbüro. Für eine Änderung in den Broschüren sei es zu spät gewesen.

„Was ich allerdings nicht verstehe, ist wieso dort ein Yachtencharter aufscheint. Ich habe mit so etwas nichts zu tun“, erzählt Erika L. „Wir haben bei der Präsentation immer klar gesagt, dass wir die gesamte heimische Wirtschaft einbeziehen wollen. Alle Händler wurden von der Wirtschaftskammer angeschrieben und es gab auch einen Info-Abend für Interessierte. Dieser Partner hat sich dafür interessiert und wollte aufgenommen werden. Wir schließen niemanden aus“, erklärt Hohensinner, der in drei Fällen die Gutscheinpakete von den SozialCard-Besitzern (aus Protest) zurück erhielt.

erstellt am 20. Dezember 2018, 10:11

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