Mögliche Mafia-Geldwäsche in Österreich

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Das letzte Jahr endete für die italienische Mafia zumindest in Österreich mit einem Paukenschlag.

Den Behörden ist es gelungen, Mafiagelder zu konfiszieren, die offenbar mittels Online-Wettbüros gewaschen wurden. Und dieser Schlag gegen die "Familie" hat nicht nur eine simple Bedeutung für Österreich, sondern ist auch für Europa von Interesse. Denn die beschlagnahmte Geldsumme ist die bisher größte in Österreich – und wie bekannt ist, handeln Mafiamitglieder selten einzig in einem Land. Dieser Artikel erklärt, was mit diesem Schlag gelang und wo er sonst noch Auswirkungen hat.

Der Verlauf

Geldwäsche ist innerhalb der Mafiafamilien und anderen Clans ein wichtiges Geschäft. Schmutzige, also illegal verdiente Gelder, werden über andere Wege gesäubert, sodass sie wie normale Einnahmen erscheinen. Im November 2018 endete das Modell zumindest in Österreich, wie www.onlinecasinosdeutschland.com berichtete:

  • Sicherstellung – Gelder und Beweise konnten in großem Rahmen sichergestellt werden.
  • Ausmaß – die Behörden schritten nicht allein in Österreich ein. Auch auf den Antillen, in Italien und auf Malta und in Rumänien wurde aufgrund der Razzia gehandelt.
  • Anfangsverdacht – der Verdacht kam aus Italien. Die Staatsanwaltschaft Reggio di Calabria äußerte den Verdacht der millionen- oder milliardenschweren Geldwäsche und gab verschiedenen Behörden Tipps. Die Tätergruppe soll zu den "ganz großen Familienclans" in Süditalien gehören.
  • Geldwäsche – nach Ermittlungen konnten die österreichischen Behörden davon ausgehen, dass die Mafia-Gelder in Österreich gewaschen werden sollte. Die Clans haben daraufhin in Österreich in Immobilien investiert, nutzten Wertpapiere und Stiftungen und das Glücksspiel für das Reinwaschen. Gerade Online-Wettbüros rückten in den Fokus der Ermittlungen, da offenbar eine eigene Wettfirma derartige Praktiken unterstützte.
  • Malta – die Medien berichten es immer wieder und die Glücksspielaufsicht von Malta versucht, Berichte einzudämmen. Es ist jedoch längst bekannt, dass sich auf Malta eine Gambling-Mafia gebildet hat. Die Vorwürfe reichen bis ins Jahr 2017 zurück, als eine Journalistin, die genau in diesem Bereich recherchierte, ermordet wurde.

Wie groß die komplette Geldwäsche-Angelegenheit insgesamt ist und inwieweit der jetzige Schlag zu einem effektiven Erfolg für die Ermittlungsbehörden gegen die Mafia führt, ist noch unbekannt. Innerhalb der Clans und den Mafiastrukturen wird wenig geredet, sodass Ermittler auch von bereits festgenommenen Personen oft nicht mehr erfahren.

Die Erfolge

Auf den ersten Blick war dieser Behörden-Zugriff im November ein echter Erfolg. Die Frage ist nur, welche nachhaltige Wirkung damit erzielt werden konnte. Immerhin:

  • Beschlagnahmte Geldmenge – 37,3 Millionen Euro wurden während der Maßnahme in privaten Wohnungen sichergestellt. Die Geldmenge darf jedoch nicht als Erfolg für Wien oder Österreich bezeichnet werden, da dieser gesamte Fall im europäischen Kontext zu betrachten ist.
  • Festnahmen – insgesamt kam es – bisher – zu 68 Festnahmen. Darunter befinden sich Strohmänner, Mafiamitglieder, Helfer und Firmenbesitzer.
  • Schließungen – die mutmaßlich an der Geldwäsche beteiligten Firmen wurden geschlossen. Ganze 38 Unternehmen betraf dies allein im Zuge dieser Razzia.
  • Immobilien – seit Langem werden Immobilien für die Geldwäsche benutzt. Während der Razzia wurden Immobilien mit einem Gesamtwert von über einer Milliarde Euro sichergestellt.
  • Internet – knapp 33 Online-Plattformen wurden geschlossen, davon mitunter jene von Online-Wettbüros.
  • Weitere Gelder – auf zwei Privatkonten in Innsbruck und Wien beschlagnahmten Behörden nochmals 1,8 Millionen Euro. Die Konten wurden eingefroren.

Grundsätzlich ist dieser Fall samt seiner Ergebnisse aussagekräftig und zeigt, wie geschickt die Clans mittlerweile vorgehen. Doch darf nicht vermutet werden, dass das Vorgehen der Behörden gegen Geldwäsche beendet ist oder nicht weiter fortgeführt ist. Wenn auch die festgenommenen Personen nur wenig reden, sammeln die verschiedenen Behörden weiterhin Hinweise. Das Ziel ist natürlich die Zerschlagung des gesamten Mafia-Netzwerkes.

Dass der aktuelle Fokus besonders auf Online-Sportwetten und dem Glücksspiel liegt, ist verständlich. Längst haben kriminelle Clans oder Vereinigungen wie die Mafia das Internet für sich entdeckt und herausgefunden, dass über verschiedene Angebote Gelder hervorragend gewaschen werden können. Diese Vorgehensweise ist – unabhängig von der Art des Angebots – wesentlich einfacher als beispielsweise Immobilienkäufe:

  • Firma – es ist recht leicht, eine sogenannte Briefkastenfirma irgendwo in Europa, vorzugsweise in einem der Steuerparadiese, zu gründen. Die Nachverfolgbarkeit der einzelnen Personen ist schwer, zumal die Firmen häufig in ein Geflecht aus Scheinfirmen eingebettet sind.
  • Geldwäsche – in solchen Firmen ist es freilich leicht, illegal, beispielsweise aus Drogenhandel oder Prostitution, erhaltenes Geld einzubringen. Durch die Investition in die Firma verliert es seinen bisherigen Status, Gewinne und Einnahmen aus der offiziellen Firma hingegen sind steuerrechtlich und strafrechtlich wieder "normale Gewinne". Die Folge: Das schmutzige Geld wird sauber.
  • Helfer – manche wissen, worauf sie sich einlassen, andere nicht. Praktisch kann die Mafia in jedes seriöse Start-up oder in Fundraising-Projekte investieren. Ausgezahlte Dividenden oder Beteiligungen dienen zur Reinwaschung schmutziger Gelder. Andere Helfer wissen natürlich genau, was sie eigentlich machen und mit wem sie zusammenarbeiten.
  • Nachverfolgbarkeit – sie ist wesentlich schwieriger, als beispielsweise beim Immobilienkauf. Sicherlich kommen hier auch Strohmänner zum Einsatz, doch lässt sich ein Immobilienbesitzer immer leichter herausfinden, wie der Besitzer einer Briefkasten- oder Scheinfirma.

Es ist davon auszugehen, dass die Ermittlungen gegen die Wettbüromafia noch weitergehen und dass auch noch neue Fälle auftauchen werden.

Fazit - starker Erfolg für Wien und Europa

Wenn auch der Zugriff in Wien erfolgte, so darf nicht vergessen werden, dass dieser Schlag gegen die Mafia ein gemeinsames Vorgehen europäischer Länder und Behörden war. Ebenfalls ist leider nicht davon auszugehen, dass dies der letzte Zugriff gewesen ist, denn dass sich die Mafia – und andere kriminelle Clans – nicht einschüchtern lässt, ist auch schon aus vergangenen Fällen bekannt. Trotzdem könnte dieser Fall eine Signalwirkung auf kleinere Betrüger und Gangster haben, denn der Gedanke, Online-Firmen, Online-Wettbüros oder andere Internetangebote für die Geldwäsche oder zur Steuerhinterziehung zu nutzen, wird auch Kleinverbrechern schon gekommen sein. Zumindest ist sicher, dass die festgenommenen Personen aktuell keinen Schaden anrichten können, dass die Immobilienwerte nicht veräußert werden und dass die sichergestellten Millionenbeträge niemals als Gewinn in den Büchern der Clans verbucht werden.
 



 

erstellt am 08. März 2019, 11:37

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